{"id":82,"date":"2020-07-12T13:15:59","date_gmt":"2020-07-12T11:15:59","guid":{"rendered":"https:\/\/radlager-freiburg.org\/?page_id=82"},"modified":"2020-10-05T15:16:40","modified_gmt":"2020-10-05T13:16:40","slug":"wagenplatzhistorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/radlager-freiburg.org\/?page_id=82","title":{"rendered":"Wagenplatzhistorie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den ersten Wagenplatz gab es in Freiburg Ende der 80er Jahre im Stadtteil &#8216;Im Gr\u00fcn&#8217;. Auf der Unterst\u00fctzer*innenliste dieses Wagenplatzes befanden sich unter Anderem &#8216;Die Gr\u00fcnen&#8217; und mit ihnen der damalige Oberb\u00fcrgermeister Dieter Salomon, welcher sich in einer Pressemitteilung sogar gegen die damals drohende R\u00e4umung ausgesprochen hat. Leider erfolglos, denn die Wagenburg wurde noch im selben Jahr ger\u00e4umt und alle W\u00e4gen beschlagnahmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 90er Jahren ging es dann so richtig los mit den Wagenburgen in Freiburg. Eine Wagenburg nach der anderen entstand. Doch auch diese hatten es nicht leicht und waren von der Stadt einfach nicht erw\u00fcnscht. Sie wurden gegr\u00fcndet, schnell r\u00e4umungsbedroht, versuchten verzweifelt L\u00f6sungen zu finden und zogen eventuell zweimal um, doch letztendlich kam es doch immer zur R\u00e4umung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der vielen Verdr\u00e4ngung fanden sich schlie\u00dflich einige einzelne Wagenburgen auf dem ehemaligen Kasernengel\u00e4nde im &#8216;Quartier Vauban&#8217; ein und verstreuten sich quer \u00fcber das Gel\u00e4nde. 1995 sagte die Stadt diesen Wagenburgen die einj\u00e4hrige Duldung zu &#8211; unter der Bedingung, dass sich die einzelnen Wagenburgen zu einer gro\u00dfen &#8220;Patchwork&#8221;-Wagenburg (100 W\u00e4gler*innen) sammelten und auf den Kasernen-Reitplatz stellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ablauf dieser einj\u00e4hrigen Duldung galt der Wagenplatz wieder als r\u00e4umungsbedroht. Aus dieser Not heraus bildeten sich wieder einzelne Gruppen mit verschiedenen Strategien um endlich einen geeigneten Platz zu finden und der st\u00e4ndigen Hetze und Verdr\u00e4ngung zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wegen der bevorstehenden R\u00e4umung der Gel\u00e4ndes 1996 wurde das Thema Wagenplatz im Gemeinderat dreimal verhandelt. Der interfraktioneller Antrag von Gr\u00fcnen, SPD und UF\/LL zur Schaffung von drei Wagenpl\u00e4tzen auf st\u00e4dtischem Gebiet wurde im Juni knapp abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieter Salomon, der damalige OB, der sich anfangs noch gegen die R\u00e4umung der Wagenburg &#8216;Im Gr\u00fcn&#8217; ausgesprochen hatte, machte im Sommer 1996 dann leider eine Kehrtwendung, wohl aus Angst vor &#8220;gesellschaftlichen Spannungen und Auseinandersetzung in Freiburg&#8221; &#8211; so liest es sich jedenfalls in den Beschlussvorlagen G-96\/246 von der Gemeinderatssitzung am 26.11.1996.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beschluss, der gef\u00e4llt wurde lautete eine Ersatzl\u00f6sung zu finden und beauftragte die Stadtverwaltung das Gel\u00e4nde &#8220;Z\u00e4hringer Neumatten&#8221; als Zwischenl\u00f6sung zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist das Grundst\u00fcck, auf dem sich heute der Wagenplatz Eselswinkel befindet. Der Wagenplatz hat den Platz nur unter Bedingung von Einzelmietvertr\u00e4gen und der \u00dcberwachung durch das Sozialamt zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bildeten sich auch andere Wagengruppen wie zum Beispiel die Gruppe &#8220;Fliegende W\u00e4gen&#8221; und &#8220;Punika Oase&#8221;, die aber auch kein Gl\u00fcck hatten und mehrfach beschlagnahmt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang der 2000er wurde die Situation auch nicht besser. M\u00f6gliche Fl\u00e4chen wurden wegen angeblicher Vermarktung und Bebauung ger\u00e4umt. Auch wenn es nicht um ungenutzte Fl\u00e4chen ging, und W\u00e4gler*innen versuchten Land zu pachten, wurden ihnen b\u00fcrokratisch Steine in den Weg gelegt. Die Stadt war nicht zu Gespr\u00e4chen bereit und reagierte erst als 150 W\u00e4gler*innen und 1000 Unterst\u00fctzer*innen zusammen eine Firmengel\u00e4nde in March besetzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Gespr\u00e4che blieben aussichtslos, eine Nutzung von st\u00e4dtischen Fl\u00e4chen kam nicht in Frage und auch die \u00fcber 30 genannten Privatgrundst\u00fccke wurden abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab Sommer 2003 bis 2005 konnte dann immerhin die Gruppe, die sich &#8220;Schattenparker&#8221; nennt, eine Fl\u00e4che am &#8220;Obi S\u00fcd&#8221; zwischennutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2005 mussten die Schattenparker dann das Gel\u00e4nde verlassen und es gab Demonstrationen f\u00fcr einen neuen Wagenplatz. Auf dem Fahnenmastplatz im Vauban wurden dann rechtswidrig 24 W\u00e4gen beschlagnahmt, die nach drei Monaten wieder herausgegeben wurden. Daraufhin gab es eine 6-monatige Zwischennutzung in der Haid und ein 5-Jahres-Mietvertrag mit der Stadt \u00fcber die Gel\u00e4nde \u201ePonyhof\u201c und \u201eHimmelfall\u201c neben dem Eselswinkel-Wagenplatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2009 brachte das Kunst-Kultur und Wagenkollektiv &#8216;Kommando Rhino&#8217; neues Leben auf das schon mehrmals besetzte M1 Gel\u00e4nde im Vauban. Am 3. August 2011 wurde es mit einem der gr\u00f6\u00dften Eins\u00e4tzen seit Jahren ger\u00e4umt und W\u00e4gen beschlagnahmt, um dort das &#8216;Greencity-Hotel&#8217; zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2011 gibt es das Wagenkollektiv &#8216;Sand im Getriebe&#8217;, die wie andere Wagengruppen von Bordsteinkante zu Bordsteinkante ziehen mussten. 2013 bekamen sie eine 8-monatige Duldung auf dem PH Parkplatz in Littenweiler. Wie abgemacht verlie\u00dfen sie den Parkplatz am vereinbarten Termin und versuchten mit der Stadt ins Gespr\u00e4ch zu kommen und einen neuen Platz zu finden, doch die Stadt blockte ab. Die Gruppe war von Anfang interessiert daran Fl\u00e4chen zu pachten, doch die Stadt \u00fcbte unter anderem Druck auf die Eigent\u00fcmer*innen aus um das zu verhindern. Am 14.4.2014 wurden 11 Wagen von der Stadt Freiburg beschlagnahmt. Ein freiwilliger Abzug wurde nicht gestattet, daraufhin gab es viele Protestaktionen. Sechs Monate sp\u00e4ter wurden die W\u00e4gen nach einer angedrohten Verschrottung wieder frei gegeben. F\u00fcr die Freigabe musste f\u00fcr jeden Wagen ein einzelner Stellplatz nachgewiesen werden. Auch bekamen sie das Angebot 400m\u00b2 direkt neben dem Wagenplatz &#8216;Schattenparker&#8217; zu bekommen, was sie erst ablehnten, weil das sehr wenig Platz ist, sp\u00e4ter aber dann doch annahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Somit gibt es, trotz jahrelanger Auseinandersetzungen um Wagenpl\u00e4tze, derzeitig neben mehreren st\u00e4dtisch verwalteten Wagenpl\u00e4tzen mit dem Wagenplatz &#8216;Schattenparker&#8217; nur einen selbstverwalteten Wagenplatz in Freiburg, obwohl der Bedarf nach mehr Pl\u00e4tzen seit jeher da ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind gespannt wie es mit der Wagenplatzgeschichte in Freiburg weiter geht und hoffen auf einen neuen selbstverwalteten Wagenplatz!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[Frei nach: &#8216;Berta Magazin der Studierendenschaft #850 vom 08.05.2014 und anderen Quellen]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Wagenplatz gab es in Freiburg Ende der 80er Jahre im Stadtteil &#8216;Im Gr\u00fcn&#8217;. 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